eGovernment in Deutschland - ein kleiner Erfahrungsbericht
Veröffentlicht: 25. Juli 2008, 12:13 Uhr
eGovernment ist in aller Munde: Alles bequem von Zuhause aus per Browser und E-Mail erledigen. Keine lästigen Behördengänge, keine überfüllten Wartezimmer. Es werden Webseiten erstellt, E-Mail-Adressen eingerichtet und Ansprechpartner genannt. Was nach weniger Bürokratie und mehr Service klingt entpuppt sich in der Praxis jedoch als Trugschluss.
Konkret hatte ich eine E-Mail an das Amtsgericht verfasst, in der ich um Auskunft über eine Antragstellung und die dazugehörigen Dokumente bat. Nichts streng vertrauliches oder ähnliches.
Die folgende Antwort bekam ich am darauf folgenden Tag:
Von: (AG Tettnang)
Betreff: Antrag
Sehr geehrter Herr Kastner,
bezug nehmend auf Ihre Frage wird mitgeteilt, dass ich telefonisch unter der Telefonnummer 07542/ vormittags zwischen 8 Uhr und 12 Uhr erreichbar bin. Darüber hinaus bestehen tägliche Sprechzeiten zwischen 9 Uhr und 11 Uhr .
Das Amtsgericht befindet sich im Neuen Schloss in Tettnang, 2. Stock, Zimmer .
Amtsgericht Tettnang
Dipl. Rechtspflegerin
Übrigens für diejenigen die es interessiert: Die E-Mail wurde nicht (wie man vielleicht meinen könnte) als Antwort auf meine verfasst, sondern wurde als neue E-Mail geschrieben. Daran zu erkennen, das weder ein “In-Reply-To”-Header vorhanden ist, geschweige denn meine E-Mail in Zitatform.
Statt mir meine zwei Fragen kurz und bündig zu beantworten soll ich jetzt also anrufen oder gar persönlich dort vorbei kommen? Klasse Service! Somit hätte sich das Amtsgericht die Angabe der E-Mail-Adresse auf deren Webseite gleich sparen können und ich mir meine E-Mail auch.
Fazit: Statt weniger Bürokratie und mehr Bürgerservice wird das Internet eher dazu verwendet alte Strukturen und Vorgehensweisen auf neue Medien zu übertragen. Schade, denn es könnte Zeit und Geld eingespart werden.
Onkelchen schrieb am 25. Juli 2008, 18:38 Uhr
Hier, in Wuppertal, ist es auch nicht anders. Vielleicht ist das Medium noch zu neu…:-)
Cedric schrieb am 26. Juli 2008, 12:59 Uhr
Zu neu? Ich habe, als ich noch oben gewohnt habe, fast alles beim Bürgerbüro (per E-Mail) erledigen können. Beantragung von Unterlagen (die mir dann zugeschickt wurden), kurze Fragen und Auskünfte, und vieles mehr. Das ist mittlerweile schon 5 Jahre her.
Ich glaube eher, das die meisten Beamten und Angestellte sich nicht darüber im Klaren sind, dass es a) eine Zeitersparnis bringt und b) komfortabler für beide Seiten ist). Schließlich muss ich als Bürger nicht erst zur Behörde fahren und der Beamte seine Zeit nicht für irgendwelche Anträge oder ähnliches opfern. Aber vielleicht geht es ja gerade darum die Zeit totzuschlagen? Da kommen Bürger natürlich wie gerufen! Man hat ja sonst nichts zu tun – oder? Wer weiß…
Onkelchen schrieb am 28. Juli 2008, 20:22 Uhr
Du hattest schon den smilie bemerkt?!
Cedric schrieb am 29. Juli 2008, 09:49 Uhr
Ne… übersehen vor lauter Aufregung.
Sebastian Knoefel schrieb am 29. Juli 2008, 15:31 Uhr
Klingt ganz nach Deutschland. Und oha ne diplomierte Rechtspflegerin. Wessen Recht die wohl gerade gepflegt hat?! :-D
Björn schrieb am 27. November 2008, 14:16 Uhr
Da kann ich dir nur Recht geben. Da ich in der Branche tätig bin, die Software für Kommunalverwaltungen herstellt, bekomme ich das tagtäglich mit. Manche Verwaltungen sind auch der Meinung das Sie schon eGovernment machen sobald sie eine Internetpräsenz mit E-Mailadressen drauf haben. Das ist leider wirklich so …
Cedric schrieb am 27. November 2008, 14:26 Uhr
Schon traurig irgendwie. Mit DE-Mail soll ja künftig alles besser und einfacher werden. Ich bin gespannt ob das Pilotprojekt auch in angrenzenden Gemeinden Einzug halten wird.