Tabs on Top oder: Über die konsequente Ausnutzung des Fenstertitels
Veröffentlicht: 25. Februar 2009, 21:30 Uhr
Bisher war eines klar: Eine Tab-Leiste muss, wie es sich gehört, innerhalb des Fensters platziert werden. Am besten in Nähe der Symbolleisten. Unmittelbar unter dieser oder einer weiteren Leiste wie den Favoriten. Mit Safari 4 wagt Apple, wie auch Googles Chrome oder Opera, den Schritt zum Redesign der mittlerweile in vielen Programmen vorhandenen und allgemein sehr beliebten Leiste.
Zugegeben der Anblick und die Benutzung sind noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Auch nach einem Bürotag mit Safari 4 ertappe ich mich noch immer dabei, den Mauszeiger auf die nicht mehr vorhandene Tab-Leiste unterhalb der Favoriten bewegen zu wollen. Auf den ersten Blick scheint es fast so hat sich hier ein übermotivierter Nachwuchs-GUI-Designer ausgetobt. Doch hinter dieser marginalen Veränderung steckt möglicherweise mehr als nur ein neuer Trend.
Gehen wir einen Schritt zurück in der Zeit der Benutzeroberflächen, so entdecken wir einen alten Verwandten des Tab-Prinzips: Das MDI-Prinzip. Was kompliziert klingt ist in Wirklichkeit halb so wild und jeder kennt es noch: Unter MDI verbirgt sich das Prinzip eines einzelnen Hauptfensters, welches wiederum viele einzelne Unterfenster beherbergt. Word, Excel & Co. haben lange Zeit Gebrauch davon gemacht. Im Laufe der Zeit sind die GUI-Designer dann dazu übergegangen jedem Dokument ein eigenes Fenster zu spendieren, denn logisch gesehen steht jedes Dokument (auch innerhalb einer Anwendung) für sich selbst und die verwendeten Symbolleisten, Formatierungspaletten, usw. beziehen sich stets auf das einzelne Dokument und nicht auf die Anwendung selbst. Dieses Prinzip nennt sich SDI.
Es gibt jedoch auch Anwendungen, wie zum Beispiel Browser oder Instant Messenger, bei denen weder das MDI- noch das SDI-Prinzip den neuen Anforderungen gerecht wird. Als neues Prinzip setzten sich daher die Tabs durch. Ähnlich wie bei MDI beinhaltet auch hier ein einziges Fenster mehrere Dokumente, jedoch mit dem Unterschied das nur eines aktiv/inaktiv geschaltet wird und nicht mehrere gleichzeitig angezeigt werden können. Historisch gesehen sind Tabs also die konsequente Weiterentwicklung des klassischen MDI-Prinzips.
Die bisherige Integration von Tabs in bestehende Anwendungen ist hingegen alles andere als eine Weiterentwicklung. Oft wird die Tab-Leiste an einer Position eingefügt, die auf den ersten Blick passend erschienen, es jedoch nicht ist. Eine typische Tab-basierte Fensterstruktur sieht häufig so aus: An oberster Stelle steht das Fenster mit Schließen-, Maximieren- und Minimieren-Schaltflächen, gefolgt vom Fenstertitel. Darunter folgt dann die Symbolleiste mit Adresszeile mit den üblichen Schaltflächen, danach folgt die Tab-Leiste und schließlich das eigentliche Dokument: Der Inhalt. Hierarchisch betrachtet ist dies jedoch nicht korrekt und vermittelt in etwa folgendes: Fenstertitel, Symbolleisten & Co. sind global für die gesamte Anwendung gültig, das Dokument hingegen scheint logisch mit dem jeweiligen Tab verbunden. Dabei tritt auch gleich eine weitere Inkonsistenz in den Vordergrund: Der Titel des aktivierten Tabs ist gleichzeitig auch der Fenstertitel und somit doppelt vorhanden. Hinzu kommt das eine klassische Tab-Leiste, in Zeiten von Widescreen-Monitoren, dem Dokument weniger Höhe zur Darstellung lässt.
Vergleichen wir das bestehende Tab-Prinzip nun mit dem neuen aus der Safari 4 Beta, fällt uns dabei sofort folgendes auf: Die Tab-Leiste ist hierarchisch korrekt platziert, vermeidet die doppelte Anzeige des Titels und läßt dem Dokument mehr Platz in der horizontalen Darstellung. Darüber hinaus ist die Titelzeile bei vielen Anwendungen meist nur zu weniger als einem Drittel ausgenutzt. Der restliche Platz bleibt ungenutzt. Mit “Taps on Top” wird dieser freie Platz somit konsequent genutzt.
Es bleibt abzuwarten ob sich das neue Tab-Prinzip durchsetzen wird, dennoch ist es ein sehr interessanter Ansatz den Apple hier verfolgt. Es ist auch gut denkbar, das Apple hier einen Testlauf für die mögliche Integration dieser neuen Art von Tabs in Mac OS X 10.6 Snow Leopard gestartet hat.
Tobias schrieb am 26. Februar 2009, 08:09 Uhr
“Mit Safari 4 wagt Apple nun erstmals den Schritt zum Redesign der mittlerweile in vielen Programmen vorhandenen und allgemein sehr beliebten Leiste.”
Die Aussage ist ein bisschen schwierig, schließlich macht Opera das schon immer so (hab ich mir sagen lassen) und auch Google’s Chrome benutzt dieses Tab Prinzip.
Nichtsdestotrotz stimme ich dir zu: Es ist viel logischer. Auf die Idee hätten sie mal von Anfang an kommen sollen, anstatt einfach den Firefox Ansatz zu übernehmen.
Cedric schrieb am 26. Februar 2009, 09:01 Uhr
Du hast natürlich recht, die Aussage ist gewagt und trifft nicht vollkommen zu (siehe Opera und Google). Werde ich korrigieren. Danke für den Hinweis.