Volvic für Unicef: 1 Liter für 10 Liter
Veröffentlicht: 30. Mai 2007, 11:30 Uhr
Bei Volvic’s “1 Liter für 10 Liter”-Aktion geht es genau genommen um die Idee den Bau von Brunnen in Äthiopien mit Hilfe der UNICEF zu fördern. Getreu dem Motto “Trinkt viel Volvic und wir helfen viele Brunnen zu bauen”.
Ein feiner Zug von Volvic, allerdings nicht ganz taufrisch: Krombacher machte es bereits 2003 mit seiner Regenwald-Initiative vor. Quasi saufen für den Regenwald, warum nicht auch rauchen für die Steuereinnahmen?
Krombacher & Co.
Aber Spaß beiseite, die Gründe für solche Aktionen sollten jedem klar sein: Die Image-Verbesserung der Unternehmen gegenüber den Verbrauchern, das suggerierte Gefühl etwas Gutes mit dem Kauf getan zu haben, und sich gleichzeitig etwas zu gönnen sorgt in der heutigen Konsumgesellschaft für den inneren Frieden. Schön wenn etwas so einfach sein kann.
War es bei Krombacher noch Günther Jauch der als Pate mit seinem Namen warb, so ist es bei Volvic Markus Lanz. Viele von uns kennen ihn aus dem RTL Vorabendprogramm, dort moderiert er das Magazin “Explosiv” bereits seit 1999.
Der Werbespot
Aber schauen wir uns einmal den aktuellen Werbespot für diese Kampagne an. Zusammen mit UNICEF-Beauftragten, Kameraleuten und Fotografen fährt Markus Lanz in einen abgelegenen, trockenen Landstrich.


Kurz darauf folgt ein harter Schnitt zu einem neugebauten Brunnen der mit Hilfe von Volvic gebaut wurde. Um ihn herum Äthiopier die bemüht sind Wasser aus dem Grund zu pumpen.
In der nächsten Einstellung erfährt der Zuschauer, dass gerade durch das gewonnene Wasser viele Leben gerettet und die Lebensqualität deutlich verbessert wird. Eine gute Sache, denn laut Volvic soll es bis Ende diesen Jahres insgesamt 82 Brunnen geben.


Weiter geht es im Werbespot: Es werden Aufnahmen einer Kochstelle gezeigt, eine Mutter bereitet für Ihre Familie Essen zu. Natürlich mit Hilfe des gewonnen Wassers. Jedoch scheint hier etwas nicht ganz zu stimmen.
Die Köchin bereitet nicht etwa eine Afrikanische oder Äthiopische Speise zu, sondern ein typisch Europäisches bzw. Italienisches Gericht: Spaghetti mit Tomatensauce. Nicht das ich der Familie es nicht gönnen würde diese leckeren Spaghetti zu essen, aber werden in Äthiopien, in einem kleinen Dorf, in einer sehr trockenen Gegend mit kaum Vegetation und in Anbetracht der dort herrschenden Armut wirklich Spaghetti gegessen?
Das Land
Die Antwort auf diese Frage gibt Volvic auf der Webseite der Kampagne vielleicht selbst. Auch mit der Ernährung und der Gesundheit scheint es in diesem Land nicht gut zu stehen.
[...] Äthiopien gilt als eins der ärmsten Länder der Welt. Ein Großer Teil der Bevölkerung lebt in ländlichen Regionen. [...]
[...] Die Ursachen für die gesundheitliche Lage sind Wassermangel und Mangelernährung [...]
Nach einer kurzen Recherche im Internet werde ich auch fündig was Essgewohnheiten und nationale Speisen angeht.
[...] Traditionelle Speisen bestehen aus Fleisch und Gemüse und sind ziemlich scharf gewürzt. Die Nationalspeise heißt „injeri“ (man spricht es als „indschera“ aus), eine Art Pfannkuchen aus fermentiertem Tefu-Getreide Mehl. Man reicht dazu Gemüse oder eine Art (Fleisch)Gulasch. [...]
Laut CIA World Factbook 2007 leben in Äthiopien etwa 38,7% (mehr als ein Drittel) der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze – nachzulesen hier.
Schlussbemerkung
Es bleibt also jedem selbst überlassen was er von dieser kosmetischen Anpassung der Kochgewohnheiten im gezeigten Werbespot hält und ob dies für ihn politisch korrekt ist. Wahrscheinlich fällt dies vielen Zuschauern überhaupt nicht auf…
Dennoch sollte man sich einmal Gedanken darüber machen warum solche Werbespots für den Europäischen Konsumenten und seine Gewohnheiten “angepasst” werden statt zu zeigen wie es wirklich ist.
Nichts desto trotz ist die Initiative von Volvic positiv zu bewerten, ebenso wie die anderer Hersteller. Sie folgen ein und derselben Grundidee: Nur gemeinsam kann man etwas erreichen.
Allen die helfen möchten sei daher gesagt:
Spenden, spenden, spenden!
Onkelchen schrieb am 30. Mai 2007, 19:05 Uhr
Danke für die Aufklärung!
dgraeber schrieb am 19. Juni 2009, 13:15 Uhr
Keine kosmetische Korrektur!
Es handelt sich in diesem Spot um keine kosmetische Korrektur. Ich war selbst überrascht, als wir vor Ort gedreht haben, dass die Menschen unter anderem auch Spaghetti essen.
Wie kommt das? Unsere Recherche vor Ort ergab, dass Athiopien von 1936 – 1941 von Italien besetzt war. Minestrone und Spaghetti mit Tomatensauce sind geblieben und erinnern an die kurze italienische Präsenz.