Kurze Einführung in Auszeichnungssprachen und Semantik

Veröffentlicht: 4. September 2007, 20:20 Uhr

Ursprünglich dienten Auszeichnungen (engl. “Markup”) als Anweisungen für Schriftsetzer in der Druckindustrie. Mit Hilfe dieser wurde beschrieben, wie ein Text auszusehen hat und wie er gesetzt werden musste.

Mit der Einführung von Computern wurde diese Technik fast nahtlos übernommen. Anders als in der Druckindustrie, sind Auszeichungen im IT-Bereich nicht nur bei Texten vorzufinden. Viel mehr werden Sie dazu verwendet Daten und die Verfahren zur Auswertung dieser zu beschreiben.

Ein gutes Beispiel für Auszeichnungen sind die in der Web-Entwicklung immer anzutreffenden Formate wie etwa HTML, XHTML und XML. Doch es gibt noch weitere Auszeichnungssprachen wie zum Beispiel TeX oder SVG.

Zu einer Auszeichnung gehört auch immer eine entsprechende Semantik. Hierbei handelt es sich um die Lehre der Bedeutung, also Regeln die besagen wie bestimmte Elemente interpretiert zu werden sind.

Nehmen wir hierzu ein konkretes Beispiel: Woran erkennen wir eine Überschrift? -Viele würden jetzt spontan antworten “Daran das Sie über dem eigentlichen Text steht und größer als der Fließtext ist.”. Doch dies ist nur unsere Interpretation der dahinter steckenden Semantik. Diese hat sich im Laufe der Jahrhunderte so etabliert. Allein auf Basis dieser Aussage ist eine Überschrift noch längst keine. Schauen wir uns daher anhand eines Beispiels in HTML einmal eine Überschrift genauer an.

<h1>Ich bin eine Überschrift</h1>
<p>Ich bin ein Fließtext</p>

Mit Hilfe des sogenannten “Tags” <h1> wird der Text “Ich bin eine Überschrift” auch als solche deklariert. Der im Tag <p> angegebene Text hingegen ist semantisch klar davon abgegrenzt. Für den Leser ist am Beispiel der gerenderten HTML-Seite im Browser zunächst unklar ob es sich um eine semantisch ausgewiesene Überschrift handelt oder nicht. Schließlich könnten wir mit Hilfe von CSS auch den Fließtext wie eine Überschrift aussehen lassen. Dazu mehr in kommenden Artikeln.

Erst der Größenunterschied und der klar von der Überschrift abgegrenzte Fließtext lassen auf diese schließen. Die Erfassung von Semantik wird maßgeblich durch unsere Wahrnehmung und dessen was wir darüber wissen beeinflusst. Ein Blinder hingegen, der über keine direkte optische Wahrnehmung verfügt, muss Hilfsmittel verwenden die ihm bei der Erkennung von Semantik unterstützen.

Dies geschieht heutzutage meist mit Hilfe einer speziellen Software, “Screenreader” genannt. Diese erfasst Text und analysiert ihn semantisch. Ist eine Überschrift nicht als solche ausgezeichnet, so kann die Software diese auch nicht erkennen. Das hingegen resultiert in einem Unterschied bei der akustischen Wiedergabe des Textes durch eine synthetische Stimme.

Aber nicht nur für Behinderte Menschen kann die richtige Verwendung von Semantik hilfreich sein. Auch Programme wie Browser, Newsreader, oder automatisierte Programme wie etwa “Bots” machen Gebrauch von Semantik. Google zum Beispiel bewertet gefundene Webseiten höher, wenn das gesuchte Stichwort in einer Überschrift vorkommt.

Informationen semantisch korrekt auszuzeichnen ist daher gerade in der heutigen Zeit, in der wir von Informationen und Reizen überflutet werden, wichtiger denn je.


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